Ich denke, den heutigen Tag habe ich ganz gut verbracht. Den Vormittag über habe ich meiner Frau geholfen, die Party für Kims vierten Geburtstag vorzubereiten. Sechs kleine Gäste und einige Eltern. Das hat schon Zeit und Mühe gekostet. Die Feier war dann auch recht laut und für die Kinder meist toll. Es war nur etwas kalt, weil wir fast draußen gefeiert haben, was im Januar vielleicht nicht unbedingt angebracht ist. Trotzdem, es war schön. Die Kinder sind müde, satt und unverletzt wieder nach Hause gekommen und Kim ist schnell eingeschlafen. Nach einer Stunde haben wir das gröbste Chaos auch schon wieder beseitigt, so dass ich mich in mein Büro verziehen konnte. Mit mittlerweile drei Bier konnte ich dann allerdings weniger Denkarbeit erledigen, so dass ich einen Praktikumsbericht überarbeitet habe. Diesen Bericht wird wohl kein Dozent je lesen, aber zwei nette und für mich wichtige Kommilitoninnen haben mir unmissverständlich mitgeteilt, dass ich den so wie er war nicht abgeben darf. Zwei andere Ausarbeitungen, die ich vorher schon abgegeben hatte, waren auch nicht so gut bei den Verantwortlichen angekommen (und die haben das wirklich gelesen). Ich habe mich also entschlossen, wieder mehr Sorgfalt walten zu lassen. Wie sagte Frau Prof. M. sinngemäß mal so schön in einem Nebensatz "Selbstbewusst darf jeder sein, man muss nur aufpassen, nicht überheblich zu werden". Ich werde jetzt mal wieder mehr aufpassen. Bitte erinnert mich daran, wenn es nicht klappt.
see you
msa - 3. Jan, 23:43
Sylvester 2006, benannt nach dem Todestag von Pabst Sylvester, wie ich gerade erst wieder gelesen habe, feiere ich doch deutlich lieber als Weihnachten. Dieses Jahr mal als Kindersylvester mit vielen Kids zwischen zwei und zehn Jahren. Was mir wieder deutlich wurde ist, dass diese Partys, mit anderen Eltern und Kindern deutlich anders sind als die Partys mit Studenten in Flensburg. Die Relativitätstheorie hat hier zwar nichts mit Lichtgeschwindigkeit zu tun, wohl aber mit veränderten Sichtweisen. Wenn ich gestern so zwischen meinen „Altersgenossen“ gesessen und deren Verhalten beobachtet habe, dann kam ich mir schon recht alt vor. Es sind zwar einige auch immer noch lustig und aufgeschlossen. Aber andere bringen dann auch schon mal Sprüche wie „früher war alles spannender, da wusste man ja noch nicht, was der nächste Tag so bringt“. Auch die Belehrungen der Kinder klangen sehr häufig wie das, was ich immer von meinen Eltern gehört habe. Sitze ich dagegen zwischen den jungen und älteren Studenten in Flensburg, dann komme ich mir lange nicht so alt vor. Selbst diejenigen, die noch älter sind als ich strahlen mehr Lebensfreude aus, als einige gestern.
Wann wird man eigentlich alt? Wir kamen gestern zu der Ansicht, dass alte Leute fast immer nach festen Ritualen leben, dass selbst das verschieben des wöchentlichen Einkaufs von Mittwochvormittag auf einen anderen Wochentag kaum mehr möglich scheint. Danach stellten wir fest, dass auch wir schon feste Rituale haben. Bin ich also alt, weil ich regelmäßig mit Jürgen mein Feierabendbier einnehme? Vielleicht nicht, denn wir nehmen mal mit, mal ohne Alkohol, mal um 2:00 , mal auch erst um 3:00, mal reden wir über Physik, mal über Pädagogik, oft aber über Menschen.
Ich hoffe, ich bleibe jung im Geiste, um meine Schüler später auch zu verstehen.
Ein Spruch fällt mir noch ein, den ich in den letzten Tagen gehört habe „ gegen das Altern hilft nur das frühzeitige Sterben, aber das will ich dann auch wieder nicht“.
Vielleicht bleiben Lehrer länger jung, weil sie mehr junge Menschen um sich haben? Vielleicht halten uns unsere unerfüllten Träume auch jung? Beides probiere ich weiter aus.
See you
msa - 1. Jan, 20:33
Ich mag die eigentlich nicht, das wusste ich aber bis vor einigen Tagen noch nicht. Nur das Drumherum ist wirklich den süßen Geschmack des Glühweins mit Rum Wert. Das scheint nicht nur unsere Uni-Truppe, sondern auch noch einige andere Studenten so zu finden. Im
Spiegel gab es da auch einen netten Bericht.
Ich habe den Abend sehr genossen. Die Kopfschmerzen sind wider erwartend nicht aufgetreten und der nächste Tag war sowieso sehr entspannend. Selbst den Kindergeburtstag am Nachmittag konnte ich ertragen. Auch wenn fünf Kinder zwischen zwei und vier Jahren recht laut sind.
Nach der Feuerzangenbowle (Film) haben wir noch "
Harold and Maude" gesehen. Diesen Film kann ich auch nur empfehlen. Immer wieder schön, obwohl ich den Film eigentlich mal wegen der beiden Fahrzeuge lieben gelernt habe. Mittlerweile gefällt mir auch die Story.
see you
msa - 27. Dez, 21:54
Hurra, Weihnachten ist da. Dann ist es ja endlich auch bald wieder vorbei.
Warum wird eigentlich von uns Weihnachtsmuffeln immer erwartet, dass wir die Freude der anderen Teilen oder zumindest akzeptieren müssen? Ich bin weder eine Familienfeind, noch stört es mich zu feiern, aber ich bin auch nicht christlichen Glaubens und mag dieses Kulturfest nicht. Jetzt wo wir selber eine kleine Tochter haben muss ich mich dann wohl doch zusammennehmen und so tun, als wenn ich mich mit freue. Kim jedenfalls ist schwer begeistert. Sie singt, sie lacht, sie schmückt fröhlich den Tannenbaum und auf die Geschenke freut sie sich auch schon. Ich hoffe, dass ich ihr den Frust erspare, der sich in meiner Kindheit so angesammelt hat. Bei mir löst das Fest nur ständiges Grübeln und schlechte Laune aus. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu vielen Weihnachtsfans die Laune verderbe.
Einiges gutes hat die Zeit aber doch. In der Zeit vor Weihnachten gab es auch dieses Jahr wieder viele nette Partys, jetzt an den Festtagen steht das Essen im Mittelpunkt. Und das, wo ich doch so gerne esse. Auch die vielen Telefonate mit alten Freunden und Bekannten kann ich gut leiden. Wenn es denn wenigstens eine Weihnachtsgans geben würde, dann wär’s fast schön. Aber ich war wohl zu lange nicht zu Hause, so dass ich hier nicht genügend intervenieren konnte. Keine Gans! :-(
Heute hat mir Bea verraten, dass eine im Eisfach liegt. Man habe mich ja nicht vergessen, aber essen werde ich die wohl erst 2007. Mal sehen, ob Jürgen die auch mag. Dann braten wir uns die in FL. Nach so einer Gans brauchen wir dann den Reste der Uzo Flasche aus unserem Eisfach.
Wenn die man noch da ist, denn Antje und Freunde feiern doch in der Wohnung Sylvester.... Mal sehen was das wird. Vielleicht zieht der Nachbar dann ja bald aus??? Dieses ist dann eine andere Geschichte und wird vielleicht später mal erläutert.
see you
(ich muss zum Kaffee trinken hoch)
msa - 24. Dez, 15:42
Da es mir im Moment nicht so gut geht, wie ich es mir wünschte, nehme ich mir mehr Zeit zum Lesen anspruchsloserer Texte, als wissenschaftliche Arbeiten. Zusätzlich etwas mehr Schlaf und alkoholfreie Feierabendbiere helfen auch.
Ich merke mal wieder, dass es wichtig ist, sich rechtzeitig im Leben um einen Bezug zu guten Büchern zu kümmern. Meine Lesegeschwindigkeit steht mir häufig im Weg, um mehr über unsere Welt zu erfahren. Aber es gibt ja hilfreiche Geister. Ich muss einfach häufiger Stephan nach brauchbaren Büchern fragen. Nach nur einem Jahr kennt er mich so gut, dass alles was er mir empfiehlt, auch meinen Geschmack und mein Interesse findet. Und andere Literatur, die ihn begeistert versucht er mir nahe zu bringen. Das ist wirklich schön. Vielleicht schaffe ich es ja, mich verstärkt den Büchern zu widmen. Immerhin schaue ich kaum noch TV, so dass diese Zeitverschwendung weg ist. Aber eine neue Leidenschaft braucht auch viel Zeit. Denn mir werden Gespräche mit Freunden und anderen Menschen immer wichtiger. Ich telefoniere sogar deutlich länger als früher. Meine Alte „Krankheit“, des nicht telefonieren Wollens, lag wohl an meinem alten Job. Dort habe ich täglich mehrere Stunden am Telefon verbracht.
Aber nun zu den Büchern, die mich gerade begeistern. „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann ist gut lesbar geschrieben. Die Geschichte von Alexander Humboldt und Carl Friedrich Gauß wird sehr schön, pointiert erzählt. Schade nur, dass ich so langsam voran schreite. Aber auch das andere Buch, was wir heute eigentlich nur als Geschenk gekauft haben, liest sich sehr gut an. „Voll Beschäftigt“ von Oliver Uschmann beschreibt das Leben in eine Männer WG mit dem aktuellen Thema Arbeitslosigkeit. Ich habe zwar erst das erste Kapitel gelesen, aber das Grundthema scheint die Problematik zu sein, dass Akademiker heute keinen Job mehr bekommen, weil sie überqualifiziert sind. Ich bin zwar (noch) kein Akademiker, aber das habe ich in jüngerer Vergangenheit auch schon manchmal hören dürfen. Da liegt es doch nahe, eine Dequalifikationsakademie zu begründen. Nicht nur interessant für unsere Wirtschafts-Vorlesungen, sondern auch noch sehr angenehm geschrieben. Morgen kaufe ich mir dieses Buch auch. Und dies nicht nur, weil ich einen Teil meiner Zeit in einer Männer WG lebe. Mit sehr vielen interessanten, zum Teil kuriosen Ideen, aber davon ein andermal mehr (z.B. wir leben ewig).
See you
msa - 19. Dez, 22:48
Heute hatte ich das letzte Seminar zu den erneuerbaren Energien. Ich muss sagen, dass meine Energie derzeit dringend erneuert werden muss. En Referat mit Fieber z halten ist irgendwie nicht lustig. Geht aber auch, wenn es sein muss. Interessant war es schon, in einer Vorlesung von der FH das Thema politisch zu beleuchten. Die Steuerungsinstrumente zur Förderung der Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energien sind recht komplex. Was geht und was nicht ist weniger von der Technik als von den rechtlichen Möglichkeiten abhängig. Zusätzlich haben unsere Politiker, sobald sie Regierungsverantwortung besitzen, eher zurückhaltend. Man will sich halt nicht unbeliebt machen. Ein EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) für Wärme liegt wohl schon seit zwei Jahren in der Schublade. Aber es ist wohl wesentlich komplizierter als das EEG für Strom. Es gibt halt keine großen Konzerne, die mit Wärme handeln. Denen könnte man ja sonst die gewollte Umverteilung der Kosten für neue Technologien aufdrücken. Heute müsste es um ein Bonuskonzept gehen oder weiter mit Subverntionen gehandelt werden. Beides ist im Rahmen der europäischen Einigkeit schwer national umzusetzen. Es würde Klagen hageln. Und zusätzlich würde das Wahlvolk die Handlungen vermutlich nicht verstehen. Folge ist dann, wie so oft Unzufriedenheit und Angst vor der eigenen Belastung. Machen wir also so weiter wie bisher. Das führt dann halt erst später zu einem Umdenken. Spätestens dann, wenn die Preise für mineralische Brennstoffe deutlich steigen.
see you
msa - 18. Dez, 12:29
Ein Seminar mit Sinn? Ja, wenn ich davon absehe, dass es meine Studienordnung fordert. Wie entstehen Worte? Wie entsteht Sprache? Wer hat sich darüber in den letzten 2500 Jahren Gedanken gemacht? Wie verstehe ich diese aufgeschriebenen Gedanken eigentlich? Das ist schon spannend, wenn es sicher auch nicht zu meinem Hobby wird. Heute werden wir noch Wittgenstein und Heidegger ansprechen. Ich muss unbedingt noch einmal in den Texten lesen, aber mir fallen gleich die Augen zu. Das informelle Lernen hat letzte Nacht wieder viel Zeit gekostet. Ein sehr schöner Abend mit vielen guten und intensiven Diskussionen. Bis 5:30, und die letzte Stunde tatsächlich noch mit der Überarbeitung eines meiner Projektberichte. Ich sehe ein, dass ich kein Schriftsteller bin und werden kann. Danke für die offene Ansprache, ich werde mir zukünftig mehr Mühe bei den Formulierungen angewöhnen. Nur wenn ich den Text, den ich schreibe wichtig nehme, als Teil meiner Persönlichkeit sehe, dann sollte ich ein für mich zufriedenstellendes Ergebnis erhalten können. Aber... die Zeit ist manchmal so knapp, dass ich die gerne für anderes, zum Beispiel nächtliche Diskussionen nutze.
Wittgenstein würde mich sicher verstehen. Ich kann Gedanken formulieren, diese aber nur sehr schwer in einen zusammenhängenden Text bringen. Allerdings habe ich zusätzlich die Anforderung, möglichst kurz zu schreiben. Dadurch fehlen dann einige Gedankengänge, die für den Leser nicht nachvollziehbar sind.
see you
msa - 15. Dez, 13:47
Suchen Süchtige? Wenn ja, was suchen sie? Was ist eigentlich Sucht?
Jedes Genussmittel kann zu einer Sucht werden. Wenn jemand das Putzen der Toilette nicht lassen kann, dann wohl selbst dieses Genuss. Aber die klassischen Dogen sind wohl eher das Rauchen und der Alkohol. Wenn ich jetzt nicht noch zwei Stunden Auto fahren müsste, dann würde ich auch gerne ein Bier trinken. Bin ich deswegen süchtig? Nein, aber ich könnte es werden.
Fast alle Konsumenten illegaler Drogen haben laut Statistik mit dem Rauchen angefangen. Nahezu niemand, der nie geraucht hat, wird mit illegalen Drogen in Verbindung gebracht. Da habe ich ja Glück. Diese Statistik ändert sich halt dann, wenn Alkohol illegal wird. Aber man kann auch nach anderen Dingen, Stoffen, Handlungen und Menschen süchtig sein. Diese Süchte sind dann zwar nicht unbedingt illegal, können aber auch zu sozialer Isolation, Geldmangel, Krankheit und Unwohlsein führen.
Warum sind wir Menschen eigentlich nur so anfällig für Süchte? Liegt es daran, dass die Suchtmittel so leicht zu beschaffen sind? Oder liegt es daran, dass wir in der Wohlstandsgesellschaft so viel Zeit haben? Warum sind dann aber auch in armen Regionen so viele Menschen süchtig?
Würden wir es schaffen durch eine größere Kontrolle der Handelsmärkte und Bestrafung der Dealer, den Drogenmissbrauch zu verringern? Ich denke, nein. Die Konsumenten werden sicher auf andere Stoffe ausweichen. Das Einzige Mittel, möglichst viele Menschen vor Drogen zu bewahren ist meiner Meinung nach, Aufklärung und ein hohes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Hier setze ich als Lehrer an. Eine positive Selbstwahrnehmung verringert die Notwendigkeit, anderen gefallen zu wollen, indem „man mitmacht“. Auch hat der sich selbst Bewusste weniger Gründe, seiner Realität zu entfliehen.
Bleibt die Frage, wann ist ein Genuss schon eine Sucht. Ich genieße es beispielsweise, mit meiner Tochter zusammen zu sein. Mich schmerzt es, immer so lange von ihr fern zu sein. Ist das nun Sucht? Ist das Liebe? Kann Liebe auch Sucht sein? Bleibt mir die Antwort: Liebe soll sein, so oft und viel es nur geht. Sie darf nur den geliebten nicht belasten.
Oh man, was für Zusammenhänge, und niemand hier, der mir diskursiv helfen kann.
Morgen ein Seminar mit geringem Suchtpotenzial, Sonntag 11 bis 19 Uhr. Ja, auch Studenten haben manchmal Pflichten zu erfüllen.
See you
msa - 11. Dez, 13:08